Forestis Dolomites: Der 108-Jahre-Plan, der 2020 endlich stand
Was 1912 als Sanatorium für die Habsburger geplant war, öffnete 2020 als eigenständigstes Hideaway Südtirols. Otto Wagner hätte es anders gebaut. Aber vielleicht nicht besser.

1912 sollte hier auf Wunsch der k.u.k. Monarchie ein Sanatorium nach dem Vorbild Davos entstehen. Otto Wagner sollte den Entwurf liefern. Der Erste Weltkrieg verhinderte alles. 108 Jahre später hat die Familie Hintregger den Ort in einen anderen Refuge verwandelt — mit einer eigenen Idee, die den ursprünglichen Anspruch nicht nachbaut, aber ernst nimmt.
Ein Plan aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg
Die Ausgangssituation ist ungewöhnlich, sogar für Südtiroler Verhältnisse. In Palmschoß, auf 1.800 Metern über Brixen, auf der Südflanke der Plose, hatte die Österreichisch-Ungarische Monarchie 1912 einen besonderen Ort identifiziert. Reines Quellwasser, außergewöhnliche Bergluft, überdurchschnittlich viele Sonnentage, ein mildes Klima — die vier Elemente, die die europäischen Kur-Standorte Davos und Leysin damals berühmt machten. Genau das sollte hier entstehen: ein Sanatorium für die Elite der Monarchie.
Beauftragt für den Entwurf: Otto Wagner, der Wiener Architekt der Postsparkasse. Was er lieferte, hat den Ersten Weltkrieg nicht überstanden. Fertig wurde stattdessen ein bescheideneres Haus aus Holz und Naturstein — mit zwei Seitenflügeln, in dem bis in die 1950er-Jahre Priester und Geistliche Ruhe suchten. Dann übernahm die Zeit den Ort und er verwilderte.
Im Jahr 2000 entdeckte der Südtiroler Hotelier Alois Hintregger das denkmalgeschützte Haus hinter wilden Hecken. Er beschrieb später den Moment: „Von der Bauweise und dem, was das Gebäude ausstrahlte — mir war sofort klar, dass ich hier auf etwas ganz Besonderes gestoßen war." Wenige Jahre später kaufte seine Familie das Anwesen. 2010 eröffnete das Hotel im Altbau. Und im Juli 2020 übernahmen Alois' Sohn Stefan Hintregger und seine heutige Ehefrau Treesa Hintregger — und gaben dem Ort seinen heutigen Namen und eine radikal neue Form.
FORESTIS. Zusammengesetzt aus dem italienischen foresta (Wald) und der lateinischen Stammform stis (Wurzeln). Der Name ist Programm.
Der Neubau — drei Baumstamm-Türme neben dem Altbau
Was Stefan und Treesa dem Ort hinzugefügt haben, ist bewusst eine zweite Zeitschicht — kein historisierender Anbau, kein modernistisches Statement gegen das Alte. Der Brixner Architekt Armin Sader entwarf drei skulpturale Suite-Türme unterschiedlicher Höhe, in ihrer Form Baumstämmen nachempfunden. Die Türme stehen neben dem denkmalgeschützten Altbau — über einen teilweise unterirdischen Gang mit ihm verbunden. Der Kontrast ist gewollt: hier die Substanz von 1913, dort die Erweiterung von 2020.
Die Fassaden der Türme sind aus Holz — sie erinnern an Rinden, an aufrecht stehende Stämme, an die Schutzform des Waldes selbst. Vertikal statt horizontal: Die Türme beanspruchen minimale Grundfläche. Für jeden gefällten Baum wurden zwei neue gepflanzt. Von jeder Suite, aus jedem der 62 Zimmer, öffnet sich der Blick nach Süden — direkt auf die UNESCO-Welterbe-Dolomiten. Der angrenzende Puez-Geisler-Naturpark (italienisch: Parco Naturale Puez-Odle) beginnt hinter dem Zaun.
62 Suiten in drei Kategorien — plus die FORESTIS Villa
- 20 Suiten im denkmalgeschützten Altbau (je 50 m²) — im „Manor-House"-Charakter, mit erhaltenen Holz-Kassettendecken, Fenstern und Fassaden, die die Baugeschichte tragen.
- 40 Tower Suites (je 55 m²), verteilt auf die drei Türme — mit bodentiefen Fenstern, Zirben-Kachelöfen, Terrassen mit Daybeds. Auf Wunsch werden die Daybeds für die Nacht unter Südtiroler Sternenhimmel hergerichtet.
- 2 Penthouse Suites (je 200 m², über zwei Etagen) in den beiden äußeren Türmen — mit offenem Kamin, eigenem Pool (3 × 6,5 m), Fichtenholz-Sauna mit Dolomitenblick und Regendusche mit fließendem Quellwasser.
Neu seit Ende 2024: die FORESTIS Villa. Sie ist aus der ehemaligen, nach Plänen von Otto Wagner realisierten Ärzte-Villa auf dem Grundstück hervorgegangen — jenes Nebengebäude aus dem Sanatoriums-Projekt, das den Ersten Weltkrieg überstanden hat. Behutsam saniert und in die exklusivste Buchungseinheit des Hauses überführt: eine eigenständige Villa mit Wagner-Handschrift, für Familien oder Paare, die maximalen Rückzug wollen — ohne die Wege durch die Türme.
Was alle Zimmer verbindet: aus jedem Wasserhahn und jedem Duschkopf fließt die hoteleigene Quelle — dieselbe Wasserqualität wie das berühmte Plose-Quellwasser, das seit hundert Jahren als eines der reinsten Europas gilt.
Die vier Elemente, vier Materialien
Sader und das FORESTIS-Interior-Team haben die architektonische Idee der vier Elemente auf vier Baumaterialien übertragen:
- Wasser → Dolomitstein. Die beim Bau ausgehobenen Dolomitbrocken wurden in einer Steinmühle zu Steinmehl vermahlen, mit Wasser und Lehm zu einer Masse verrührt und mit Spachtel auf Wände und Möbel aufgetragen, dann mit Bienenwachs versiegelt. Der Stein findet sich im Restaurant, im Spa, im Pool, in den Bädern — und in vier Quellwasserbrunnen (Restaurant, Rezeption, Eingang, Sauna).
- Luft → Glas. Bodentiefe Fenster in allen Räumen.
- Sonne → warme Naturmaterialien.
- Klima → Holz. Wände und Decken der Türme aus unbehandelter Fichte. Alle Möbel handwerklich vom lokalen Schreiner nach Sader-Entwürfen gefertigt. Stoffe für Kissen, Sofas, Sessel, Teppiche aus einer Weberei in Trentino.
Das Lichtkonzept lieferte Viabizzuno aus Bologna — Lichtquellen sind bewusst unauffällig, sie betonen das Material statt sich selbst.
Das Spa — 2.000 m², zwei Etagen, Wyda
Der FORESTIS Spa erstreckt sich über 2.000 Quadratmeter unter den drei Türmen, verteilt auf zwei Etagen mit direktem Dolomitenblick. Das ist die konkrete Größe, die den Ort zu einem echten Wellness-Refuge macht — kein Boutique-Spa mit drei Räumen, sondern eine vollausgebaute Anlage.
Erdgeschoss: Rezeption, ein Innenpool 20 × 4,3 m direkt verbunden mit einem Außenpool 22 × 5 m. Sole-Dampfbad (65 °C), finnische Sauna (85 °C), Bio-Sauna (70 °C), Textilsauna (45 °C), Outdoor-Sauna (90 °C, im traditionellen Südtiroler Holzhaus). Ein Silent Room mit Kamin. Eine Tea Lounge mit eigener Bibliothek und acht selbst kuratierten Südtiroler Tees.
Erste Etage: Vier Behandlungsräume, ein Private Spa für Paar-Anwendungen, zwei Kosmetikräume, ein Gym mit Technogym-Ausstattung, ein Raum für Wyda — ein Bewegungssystem, das Stefan und Treesa aus der Lebensphilosophie der Kelten und ihrer starken Verbundenheit mit Wald und Natur entwickelt haben, als europäische Alternative zum indischen Yoga. Wyda findet bei gutem Wetter draußen im Wald oder an Bergquellen statt.
Das Behandlungskonzept FORESTIS Tree Circle richtet sich an vier heimischen Baumarten aus: Latschenkiefer, Fichte, Lärche, Zirbe. Jeder Baum steht für andere Wirkstoffe, Frequenzen, Anwendungen. Der Gast wählt die Art, die zur eigenen Konstitution passt. Die eingesetzten Öle und Cremes stammen aus einer eigens für FORESTIS entwickelten Kosmetiklinie.
Wer klassische Muskel-Aufbau-Wellness (HIIT, Sport-Coaching) sucht, ist hier falsch. Wer medizinische Diagnostik (Lanserhof, Quellenhof) will, ebenfalls. FORESTIS ist ein Ruhe- und Regenerations-Retreat mit klarer Naturphilosophie. Der Konzeptrahmen — inspiriert von der keltischen Naturverbundenheit — ist Teil des Erlebnisses und wird bewusst nicht esoterisch, sondern nüchtern erzählt.
Roland Lamprecht und die Forest Cuisine
Küchenchef ist Roland Lamprecht — geboren in Brixen. Ausbildung 2002, Stationen bei Tantris in München und in der Schwarzwaldstube in Baiersbronn (drei Sterne bis heute), plus Bad Schörgau und Schweiz. Das ist keine dörfliche Herkunft — das ist Sterne-Küchen-Werdegang mit einer bewussten Rückkehr in die Heimat.
Sein Konzept: „forest cuisine" — mediterrane Küche trifft alpine Zutaten. Er sammelt mit dem Küchenteam Kräuter, Pilze, Beeren, Rinden, Blüten in den umliegenden Wäldern; verarbeitet direkt oder konserviert (getrocknet, eingelegt) für die Wintermonate. Die Grundprodukte stammen von Bauern der Umgebung, die exklusiv für FORESTIS alte Gemüsesorten wieder anpflanzen. Brot ist hausgebacken. Marmeladen nach eigenen Rezepten. Honig vom Nachbarhof Mairhof.
Drei Restaurants:
- Panorama Restaurant unter dem Altbau — terrassiert angelegt, jeder Tisch mit Dolomitenblick. Frühstück und abends à la carte.
- Garden Restaurant im Altbau (hervorgegangen aus einem Facelift des vormaligen Lounge Restaurants) — Bar, Kamin drinnen und draußen, das Menü „FORESTIS 24h" ganztägig, abends zusätzlich die Kochkarte. Hunde erlaubt.
- YERA — seit 21. Juni 2025 das neue Höhlenrestaurant von Roland Lamprecht. In den Fels gehauen, klein und konzentriert. Hier hebt Lamprecht seine Natur- und Waldküche auf eine neue Ebene — kein Zusatz zum Bestehenden, sondern eine eigenständige kulinarische Aussage.
An der Bar arbeitet die Umgebung mit: Kräuter, Beeren, Nüsse, Rinden und Nadeln aus den umliegenden Wäldern als Cocktail-Basis.
Nachhaltigkeit — nicht als Marketing
Ein Standard-Formulierung, die inflationär geworden ist. Bei FORESTIS ist sie konkreter: in fast allen Teilen CO₂-neutraler Bau. Die Holzfassade des Altbaus ist denkmalgeschützt und wurde mit Materialien aus der unmittelbaren Umgebung ergänzt (Kiefer und Steine vom Ploseeberg). Für jeden gefällten Baum: zwei neue Pflanzungen. Die Steinwände im Außenbereich aus dem ausgehobenen und vermahlenen Baumaterial. Die Bäder verspachtelt mit dem gleichen Stein.
Energieversorgung: eigene Anlage plus Pelletheizung, 100 % erneuerbare Energie. Künstliches Licht im Garten wo möglich durch offene Feuerstellen ersetzt.
Ein eigener Garten mit Kräutern, Wurzeln und essbaren Blüten liefert an die Küche. Lamprecht arbeitet nach dem No-Waste-Prinzip — die FORESTIS-Foodbox wird wieder und wieder zum Bauern gefahren, Verpackungsabfall reduziert. Spa-Produkte 100 % natürlich, das eigene Quellwasser wird in wiederbefüllbaren PET-Flaschen serviert.
Nach der Eröffnung 2020 wurde das Haus von der KlimaHaus-Agentur zertifiziert (die Südtiroler Nachhaltigkeits-Institution).
Für wen sich Forestis lohnt
Richtig für Sie, wenn: Sie ein Ruhe-Retreat auf 1.800 m mit vollständigem Programm suchen (Spa, Küche, Wanderungen und Ski-in/Ski-out direkt aus dem Skiraum). Wenn Sie ein familiengeführtes Haus einem Investoren-Neubau vorziehen. Wenn Sie sich auf materielle Aussagen einlassen können — Dolomitstein statt polierten Marmor, Zirbe statt weißer Lack, Wyda statt Standard-Yoga. Wenn Sie Wintersport mit gehobener Küche kombinieren wollen und der 45-km-Plose-Pistenverbund für Sie ausreicht.
Nicht richtig, wenn: Sie spontan ins Tal wollen (Palmschoß ist eine echte Höhenlage, die letzte Bergstraße ist Gäste-exklusiv). Wenn Sie klassische Sport-Wellness suchen. Wenn Sie mit Kleinkindern reisen, die Kinderclub und Vollprogramm brauchen. Wenn Ihnen der von der keltischen Lebensphilosophie inspirierte Konzeptrahmen des Spas fremd bleibt — der Spa ist auch materiell schön, aber das Konzept ist Teil des Erlebnisses. Wenn Einstiegspreise im oberen dreistelligen Euro-Bereich pro Nacht über Ihrem Budget liegen.
Was es kostet
Suiten starten je nach Saison und Kategorie im oberen dreistelligen Euro-Bereich pro Nacht bei Doppelbelegung, inklusive Frühstück. Damit liegt FORESTIS klar im oberen 5-Sterne-Boutique-Segment im DACH-Raum — vergleichbar mit dem Vigilius, günstiger als Lanserhof-Häuser, teurer als klassische Südtiroler 5-Sterne-Hotels. Aktuelle Preise auf forestis.it oder über Small Luxury Hotels.
Die Penthouse-Suiten (200 m² über zwei Etagen mit privatem Pool) und die FORESTIS Villa liegen deutlich darüber. Für konkrete Preise pro Kategorie und Saison lohnt sich die direkte Anfrage beim Hotel.
Vertrieb: Small Luxury Hotels, American Express Fine Hotels & Resorts, Hideaway Hotels — drei anerkannte kuratierte Netzwerke, die das Haus im internationalen Markt tragen.
Praktisches
Adresse: Palmschoß 22, 39042 Brixen (Bressanone), Südtirol, Italien
Reservierung: +39 0472 521 008 · reception@forestis.it
Anreise mit Auto: Vom Brenner-Autobahn-Abzweiger Brixen über eine gepflegte Serpentinen-Straße hoch. Die letzten Kehren geben den ersten Blick auf die Dolomiten frei. Der letzte Kilometer ist ausschließlich für FORESTIS-Gäste geöffnet — man fährt direkt vor das denkmalgeschützte Haus zum Check-in, dann übernimmt ein Mitarbeiter das Auto und bringt es zum wenige Meter entfernten Carport.
Anreise mit Bahn: ICE/Railjet nach Brixen (Bressanone) — direkte Verbindungen aus Deutschland und Österreich. Der FORESTIS-Shuttle holt am Bahnhof ab, 20 Minuten Fahrt bis Palmschoß.
Flughäfen: Verona (2,5 h), Innsbruck (1,5 h), München (3,5 h), Mailand oder Venedig (jeweils 3,5–4 h).
Ski-Gebiet: Ski-in/Ski-out direkt aus dem FORESTIS-Skiraum. Das Plose-Skigebiet hat 45 km Pisten (blau, rot, schwarz ausgewogen), Rodelbahnen und Winterwanderwege. Auch für Schneeschuh-Touren durch den angrenzenden Puez-Geisler-Naturpark ideal.
Sprache: Deutsch, Italienisch, Englisch
Vigilius oder Forestis? Ein ehrlicher Vergleich
Wer zwischen Vigilius und Forestis wählt, wählt zwischen zwei Interpretationen des gleichen Grundgedankens — Südtiroler Slow-Luxury-Architektur mit Nachhaltigkeitsanspruch. Aber die Häuser sind nicht austauschbar:
Vigilius (Matteo Thun, 2003, 41 Suiten): reduzierter, kompakter, autofrei per Seilbahn erreichbar, ohne Ski-Anschluss. Preis-Einstieg vergleichbar. Die minimalistische Aussage.
Forestis (Armin Sader, 2020, 62 Suiten): großzügiger, materialradikaler, per Auto oder Shuttle erreichbar, mit Ski-in/Ski-out und 2.000-m²-Spa. Die vollständigere Aussage — mit stärkerer historischer Substanz durch den Otto-Wagner-Vorlauf und den denkmalgeschützten Altbau.
Wer die Insellage und die Reduktion sucht, wählt Vigilius. Wer die volle Ausführung mit Familiengeschichte, Wintersport und größerem Wellness sucht, wählt Forestis. Der direkte Vergleich beider Häuser plus des Quellenhof im Passeiertal steht in unserem Cluster-Guide zu Hideaways in Südtirol.
Quellen
- forestis.it — offizielle Website mit Zimmern, Programmen und Kontakt
- Small Luxury Hotels — Forestis — Positionierung im internationalen Netzwerk
- FORESTIS Presse-Kit 2026 (Fakten zu Historie, Otto-Wagner-Sanatorium, Betreiber-Familie, Küchenchef-Werdegang, Preisen)
- Bildnachweis: Titelbild — Penthouse-Suite mit privatem Pool und Blick auf die Geisler-Gruppe. Foto: © Forestis Dolomites. Abdruck im Rahmen redaktioneller Berichterstattung mit freundlicher Genehmigung.
Im Hotel-Guide
Forestis Dolomites
Brixen (Palmschoß, Plose), Italien
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