Forestis Dolomites: Wo die Wände aus dem Berg kommen, auf dem sie stehen
Ein Familienbetrieb, ein Berg, drei Baumstamm-Türme — und ein Stein, der von unten kommt.
Forestis Dolomites: Wo die Wände aus dem Berg kommen, auf dem sie stehen
Man kann nicht ins Forestis fahren, ohne die Serpentinen ernst zu nehmen. Man kann auch nicht dort ankommen, ohne die Materialien ernst zu nehmen. Beides ist das gleiche Prinzip.
Das Forestis Dolomites liegt in Palmschoß, oberhalb von Brixen, auf 1.800 Metern. Die Fahrt vom Bahnhof aus dauert rund zwanzig Minuten — durch Serpentinen, die einem klar machen, wo man ankommen wird. Das ist kein Städtereise-Hotel, das ist ein Berg-Aufenthalt. Wer das versteht, ist am richtigen Ort. Wer es nicht versteht, bleibt besser in Meran.
Ein Familienbetrieb, kein Investoren-Neubau
Was Forestis von vielen aktuellen Südtiroler Boutique-Hotels unterscheidet, ist die Trägerschaft. Familie Hinteregger — mehrgenerationelle Süd-Tiroler Hoteliers — hat das Haus 2020 eröffnet und führt es persönlich. In einem Segment, das zunehmend von Investoren-Bauten und internationalen Marken bespielt wird, ist das eine ungewöhnliche Aussage.
Man merkt es an den Details. Die Kontinuität an der Rezeption. Die Zeit, die für ein Gespräch mit den Wirten bleibt. Die Ehrlichkeit im Programm. Das sind keine geschulten Angestellten, die ein Konzept ausrollen — das sind Gastgeber, die ihr Konzept selbst gebaut haben.
Die Architektur — drei Baumstamm-Türme
Das Konzept stammt vom Brixner Architekten Armin Sader. Drei moderne Glas-Stahl-Türme, in ihrer Form Baumstämmen nachempfunden. Zwischen ihnen ein restauriertes historisches Holzhaus — die Substanz des ursprünglichen Standorts, sensibel weitergebaut. 44 Suiten in den Türmen (je 55 Quadratmeter, Südbalkon, direkter Dolomitenblick), 16 Suiten im Altbau. Insgesamt 60 Suiten.
Der visuelle Bruch zwischen den drei modernen Türmen und dem historischen Kern ist gewollt. Er erzählt zwei Zeiten des gleichen Ortes — was hier immer war, und was jetzt hinzugebaut wurde. Ohne den Anspruch, das Neue historisierend zu tarnen. Ohne den Anspruch, das Alte abzuräumen. Zwei ehrliche Aussagen nebeneinander.
Der Stein, der von unten kommt
Was Forestis materiell radikal macht, ist eine Entscheidung, die kaum ein anderes Haus in dieser Konsequenz getroffen hat: Der Dolomitstein für Wände, Waschbecken, Wannen, Pools und Spa-Bereiche kommt direkt von der eigenen Property. Kein Import aus Carrara, kein Nachbau aus einem Steinbruch anderswo. Das Material ist genau das, worauf das Haus steht.
Das ist mehr als ein Symbol. Es macht das Haus materiell zugehörig. Wer den Stein in einer Wand berührt, berührt buchstäblich den Berg, auf dem er schläft. In einem Segment, in dem Nachhaltigkeit zur Marketingfloskel geworden ist, ist das eine tatsächliche Aussage.
Das Spa und die vier Bäume
Das Forestis Spa ist konzeptionell eigenständig. Die Anwendungen richten sich an vier lokalen Baumarten aus: Latschenkiefer, Fichte, Lärche, Zirbe. Die „Tree Circle Ceremony" — der zentrale Behandlungsablauf — folgt Prinzipien, die die Hinteregger als keltisch inspiriert und als Teil lokaler Heiltradition verstehen.
Wer klassische Sport-Spa-Sprache erwartet (Muskelaufbau, Detox-Kickboxen, HIIT-Circuit), ist hier falsch. Wer medizinische Diagnostik sucht (Lanserhof, Quellenhof), ebenfalls. Forestis ist ein Ruhe-Retreat. Der Spa dient dazu, den Puls herunterzubringen, nicht Höchstleistung zu produzieren.
Ehrlich gesagt: Die keltische Framing muss man mögen. Wer sie skeptisch findet, bekommt trotzdem einen sehr guten Spa in wunderschönem Material. Wer sich einlässt, bekommt zusätzlich das narrative Framework, das den Aufenthalt strukturiert. Beides funktioniert.
Roland Lamprecht und die Forest Cuisine
Roland Lamprecht führt das Restaurant. Das Konzept heißt Forest Cuisine und folgt drei Prinzipien: Kultivieren aus den umliegenden Feldern. Sammeln in den umliegenden Wäldern. Minimale Verarbeitung. Der Raum selbst ist stufen-förmig angelegt — jeder Tisch hat eigene Aussicht und eigene Privatsphäre.
Menüs sind schmal, Produkte lokal, Zubereitung präzise. Das ist die kulinarische Aussage des Hauses — und sie passt zum Rest des Konzepts. Forest Cuisine ist keine Deko, sondern Konsequenz aus dem Standort.
Für wen sich Forestis lohnt
Richtig für Sie, wenn: Sie ein Ruhe-Retreat auf 1.800 m mit vollem Programm suchen (Spa, Küche, Wanderungen ab Haustür). Wenn Sie ein familiengeführtes Haus einem Investoren-Neubau vorziehen. Wenn Sie sich auf materielle Aussagen einlassen können — Dolomitstein statt polierten Marmor, Zirben-Holz statt weißer Lack. Wenn Sie klaren, ruhigen Boutique-Aufenthalt einem stark bespielten Wellness-Erlebnis vorziehen.
Nicht richtig, wenn: Sie spontan ins Tal wollen (Palmschoß ist eine Höhenlage, nicht ein Randbezirk). Wenn Sie klassische Sport-Wellness suchen (Forestis ist Ruhe, nicht Leistung). Wenn Sie mit Kleinkindern reisen, die Kinderclub und Vollprogramm brauchen. Wenn Sie die keltisch inspirierte Sprache des Spas unerträglich finden (der Spa ist auch materiell schön, aber das Konzept ist Teil des Aufenthalts).
Was es kostet
Forestis kommuniziert Preise über Website-Anfrage. In der 5-Sterne-Boutique-Kategorie auf 1.800 Metern gehören Preise in dieser Liga zu den höheren im DACH-Raum. Erfahrungsgemäß beginnen Standardsuiten in Nebensaison im 3-stelligen Bereich pro Nacht, Suiten im Turm mit Südbalkon liegen deutlich höher. Direkt beim Hotel anfragen — nicht bei Booking-Portalen — ist der einzige Weg zu verlässlichen aktuellen Preisen.
Small Luxury Hotels und Mr & Mrs Smith führen das Haus in ihren Auswahlen.
Praktisches
Adresse: Palmschoß 22, 39042 Brixen, Südtirol, Italien
Anreise: Bahn nach Brixen (Bressanone), dann rund 20 Minuten Serpentinen mit Auto oder Taxi bis Palmschoß auf die Plose. Flughafen Verona ca. 2,5 Stunden mit Auto, Innsbruck 1,5 Stunden, München 3,5 Stunden.
Winter: Skigebiet Plose direkt zugänglich — Pisten für alle Niveaus, oben auch für Anfänger gut. Ketten-Pflicht bei Schneefall möglich, der Hotel-Transferservice übernimmt oft.
Sprache: Deutsch, Italienisch, Englisch
Beste Reisezeit: Winter für die Plose (Ski + Ruhe), Frühsommer für die Wiesen (Mitte Juni beginnt die Blüte), Frühherbst für die Klarheit der Luft und die Weinlese im Tal.
Forestis ist nicht Vigilius. Wo Vigilius reduziert ist (41 Suiten, kleines Spa, autofrei per Seilbahn), ist Forestis großzügig (60 Suiten, elaboriertes Spa, direkt per Auto erreichbar). Beide zeigen, wie Südtirol in den letzten zwanzig Jahren eine eigenständige Architektursprache entwickelt hat. Für die Buchung: wer die Insellage und die Reduktion sucht, wählt Vigilius. Wer die volle Ausführung mit Familienbetrieb und Winter-Ski sucht, wählt Forestis.
Quellen
- forestis.it — offizielle Website mit Zimmern, Programmen und Kontakt
- Small Luxury Hotels — Forestis — Positionierung im internationalen Netzwerk
- Mr & Mrs Smith — Forestis — Einordnung im Boutique-Segment
- Bildnachweis: Titelbild vorläufig als Platzhalter — Pressebild vom Forestis wurde angefragt und wird nach Erhalt ergänzt.
Im Hotel-Guide
Forestis Dolomites
Brixen (Palmschoß, Plose), Italien
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